Christina III
Zu einer Skulptur von Dietmar Lange
Bin ich nicht
aus jenem Holz geschnitzt,
das sich
nach dem Feuer sehnt
und leben will und brennen,
bis auch die letzte Hoffnung
Asche wird ?
Bin ich nicht auch wie Ihr ?
© tinius 2012
Versprechen
Ich verspreche mich Dir,
Dir, die Du fortgingst.
Ich will meine Herzwand
schmücken mit Schmerz,
will Dir entgegenleben mit
aller verbliebenen Hoffnung
und will auf Dich warten.
Solange ruhe ich in mir wie
ein unausgesprochenes Wort.
© tinius 2012
Fremder Himmel
Ich erkenne den Himmel
nicht wieder,
den Du mir beschreibst !
Ein fahler Glanz, der auf
buntlackierten Blechen
verschwimmt ?
Ein vages Schattenbild,
das sich in
fremden Augen verliert ?
Schau hinauf zum Himmel,
der nichts anderes
als ein Himmel sein kann,
der sich nicht vor seinen
Farben fürchtet und
sich doch manchmal verliert.
© tinius 2012
Entfernung
Gelernt habe ich,
jeden Schritt zu bedenken
und Abstand zu wahren
vom Mond.
Doch wie sehr sehne ich mich
nach dem Unnahbaren !
© tinius 2012
Verzagt
Wie sehr wünschte ich,
es gäbe noch einen Wald
mit drohend dunklem Dickicht.
So aber verliert sich
auf ausgedehnten Brachen
mein leises Pfeifen mit mir.
© tinius 2012
Blau
Das Wort "blau" schreiben
und hoffen, Du sehest
einen weiten offenen Himmel
oder ein warmes,
Dich sanft tragendes Meer.
Das Wort "blau" schreiben
und doch fürchten, es
sei nur eine kleine, zarte Blüte,
die sich im Schatten Deiner
Sehnsucht unbemerkt verliert.
© tinius 2012
Wie es ist
Es ist was es ist.
Jedoch :
es ist nicht gut
wie es ist - und :
es wäre nicht besser
wenn es wäre
wie es nicht ist.
Was aber kümmert das
die Liebe ?
© tinius 2011
Im Streit
Ich will nicht mehr hoffen.
Meine sanften Wörter presse ich
zu unnachgiebigem Stein,
der Deine Sehnsucht zerschlägt
und vielleicht Deinen Schmerz.
Dann aber will ich weinen -
und hoffen, nur hoffen.
© tinius 2011
Dezemberhimmel
Der Himmel
in einer Pfütze gefroren,
kein Schnee
dämpft unseren Fall.
Wir hatten
aber doch fliegen wollen !
© tinius 2011
Geleit
Ich verneige mich still,
die Hand auf dem Herzen,
Dir zum Abschied,
da Du alle Waffen sammelst
und ins Feld ziehst
gegen Dich,
den übermächtigen Feind.
Ich verneige mich still,
zwischen meinen Fingern
eine blutrote Rose
als Zeichen der Trauer.
© tinius 2011